Smartphone-Buch für Senioren, Einsteiger und Umsteiger

Interview Jürgen Buchert

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Wie kamen Sie auf die Idee, Smartphone-Seminare für Senioren anzubieten?

Zu den Senioren kam ich über meine Computer-Seminare. Viele Senioren haben sich in ihren letzten Berufsjahren am Computer vorbei gemogelt. Das bedauern sie jetzt, weil Unternehmen immer mehr Leistungen zur Selbstbedienung ins Internet verlagern. Für manche ändert sich die Lebenssituation durch Krankheit, Umzug etc. “Dafür habe ich meinen Mann”, sagen z.B. Seniorinnen. Wer jetzt einsteigt, hat oft unkonkrete Bedenken. Und oft höre ich die Klage “Meine Kinder / Enkel haben nie Zeit zu helfen und sind zu ungeduldig”.

Zu den Smartphones kam ich, weil sie für mich selbst so vielseitig sind wie Computer. Aber Senioren haben weniger Berührungsängste, Smartphones sind den einfachen Handys ähnlicher.

Senioren war für mich konsequent, Smartphones auch. Ich habe mir übrigens vorgenommen, nur dann Seminare anzubieten, wenn ich eigene Erfahrungen mit der Anwendung habe. “Kapieren statt kopieren” ist mein Motto. Meine Teilnehmer sollen Zusammenhänge verstehen können und nicht nur Befehle aus einer Anleitung abarbeiten.

Warum haben Sie jetzt ausgerechnet einen Einkaufsratgeber für Senioren geschrieben?

Zu meinen Smartphone-Seminaren bringen Teilnehmer ihre eigenen Geräte mit. Da kann ich vergleichen, was Senioren wissen, was sie brauchen und was ihnen empfohlen wurde. Und immer wieder hatte ich den Eindruck, dass ihnen viel zu starke Smartphones und viel zu große Tarife verkauft wurden. Es geht zwar “nur” um Geld, aber für viele ist das wichtig.

Wer sich nicht auskennt, kann seinen Bedarf nicht formulieren und kann Verkaufs-Argumente nicht beurteilen. Ich will Senioren eine einfache Möglichkeit geben, selbst für die eigene Situation zu entscheiden. Einfach heißt, sie müssen nicht Technik lernen, sondern nur ihren Bedarf beschreiben. Dann können sie auf Augenhöhe verhandeln.

Natürlich gelten die Bedarfs-Überlegungen für Käufer in jedem Alter. Aber jüngere sind oft näher am Thema bzw. haben mehr Möglichkeiten, sich zu informieren.

Woher bekommen Sie die Ideen für Ihre Seminare und Ihren Blog?

Ich hatte schon früh Zugang zu Computern und zum Internet: Nutzung, Programmierung, Entwicklung von Webseiten. Das schärft den Blick. Ich abonniere Newsletter, ich lese Artikel und Diskussionen in Fach-Portalen. Vor diesem Hintergrund sehe ich natürlich meine Seminar-Teilnehmer, die private Umgebung und die Tagespresse.

Immer wenn mir eine Frage oder eine interessante Quelle auffällt, notiere ich das in meiner Stichwortsammlung. Das passiert fast täglich und die Sammlung wird immer größer. Wenn ich dann einen Blog-Artikel schreibe oder ein Seminar vorbereite, habe ich dann schon Material, auf dem ich aufbauen kann.

Wie gehen Sie mit der Sprache und den vielen Fachbegriffen um?

Das ist ein wichtiger Punkt. Die Hersteller und Entwickler schreiben international, also englisch. Bei den Senioren ist Englisch aber nicht selbstverständlich. Und die Übersetzungen in den Handbüchern und in der Fachpresse sind nicht einheitlich, sie sind nicht zwischen den Anbietern abgestimmt.

Ich erkläre dann z.B. am Display, dass es auch Bildschirm, Anzeige oder Monitor genannt wird. Auf die Fachbegriffe verzichten will ich nicht, dann würden die Anwender sie in den Dokumentationen nicht verstehen.

Wie beschreiben Sie Ihren Schreib-Stil?

Ein neues Thema beginne ich gern mit einem Beispiel. Ich möchte meine Teilnehmer und Leser dort “abholen”, wo sie sich noch auskennen.

Bei Sach-Inhalten kann sich leicht eine akademische Sprache einschleichen, mit langen Schachtelsätze und Passiv-Konstruktionen. Für das Lernen ist das nicht hilfreich.

Ich will, dass meine Teilnehmer und Leser mich verstehen können. Sie sollen sich nicht mit “Übersetzungen” belasten. Das heißt: kurze Sätze, einheitliche Begriffe (z.B. immer “Display”), eindeutige Formulierungen (nicht “es ist einzurichten” sondern “ich empfehle Ihnen”).

Ganz wichtig sind mir Abbildungen, die komplizierte Sachverhalte auflösen. Damit meine ich die Visualisierung zur Erklärung von Hintergründen und Zusammenhängen. Dazu gehören auch tabellarische Übersichten.

Wie halten Sie es mit der Sicherheit?

Ich bin im Internet betrogen worden und ich habe eine teure Abmahnung bekommen. Dummheit, da gibt es nichts zu beschönigen. Ich habe recherchiert und gelernt. Das versuche ich nun weiterzugeben. Eine griffige Formel ist “Wer im Internet nicht bezahlt, ist nicht der Kunde, sondern die Ware”.

Anbieter wollen Nutzer abhängig machen, indem sie Komfort und Spaß versprechen und dafür die Privatsphäre ausspionieren. In dieser Wohlfühl-Situation sind Warnungen ganz unbeliebt. Immer wieder höre ich “Mir passiert schon nichts” und “Ich habe nichts zu verbergen”.

Ich spreche selten abstrakt von Privatsphäre und Medienkompetenz. Wenn es passt, baue ich konkrete Beispiele oder Methoden ein. Viele Teilnehmer sind dankbar für sachliche Informationen. “Jubelnutzer” glauben es besser zu wissen, ihnen kann ich nur Glück wünschen.

Wie sind Sie selbst digital ausgestattet?

Zum Arbeiten habe ich einen Windows-PC mit Word, PowerPoint, Excel, Bildbearbeitung und einem zweiten Bildschirm. Zum “Produzieren” von Seminarmaterial und Büchern genügt das. Zum “Konsumieren” unterwegs oder im Sessel habe ich ein Smartphone, kein Tablet.

Wenn Sie jetzt ein Spitzengerät erwarten, muss ich Sie enttäuschen. Mein Android-Gerät würde man heute der unteren Mittelklasse zuordnen. Damit nutze ich vielleicht zehn Mal mehr Apps als andere Senioren. Obwohl ich technisch neugierig bin, hat es noch genug Reserven. Für meine Vorbereitung ist wichtig, dass mein Smartphone eine aktuelle Android-Version hat.

Jugendliche würden vielleicht Leistung für schnellste Spiele und höchstauflösende Videos vermissen. Weil das nicht mein Bedarf ist, muss ich auf nichts verzichten.

Sie sind im Ruhestand. Warum tun Sie das noch, Seminare und Schreiben zu einem so schnelllebigen Thema?

Weil es mir Spaß macht. Ich habe lange vor dem Ruhestand überlegt, was ich danach tun kann. Däumchen drehen wollte ich nicht. Wenn ich meiner Frau zuhause auf den Nerv gehen würde, müsste ich mit ihrer “Kündigung” rechnen.

Nützlich sollte es sein, das trifft auf Smartphones zu. Es sollte an meine Erfahrungen anknüpfen, Digitalisierung ist schon lange mein Thema, auch unter dem Aspekt Sicherheit. Zum Denken sollte es anregen, das tut die Digitalisierung, das tut der Umgang mit Menschen, das tut das Schreiben. Meine Zeiteinteilung sollte frei sein. Termine halte ich natürlich ein, aber alles dazwischen ist eine Art Hobby, auch wenn andere es wie Arbeit sehen.

Danke für das (fiktive) Interview.